Ausstellung "Körper, Psyche und Tabu. Wiener Aktionismus und die frühe Wiener Moderne" im mumok (noch bis zum 16.5.2016)

Die Ausstellung "Körper, Psyche und Tabu. Wiener Aktionismus und die frühe Wiener Moderne" wird im mumok von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Dabei wird unter anderem unser Film über die SCHIELEfest 2015 Performance "Mörder, Hoffnung der Frauen!" (Oscar Kokoschka, 1907) präsentiert.

 

Die Regisseurin Eva Brenner zu ihrer Inszenierung MÖRDER HOFFNUNG DER FRAUEN, 2015

Die Uraufführung von Oskar Kokoschkas Minidrama MÖRDER HOFFNUNG DER FRAUEN in der für das 14. SCHIELE festes NÖ unter dem Titel „DIE KONTROVERSE BEGINNT“ neu erstellten Textfassung fand am 19. September 2015 im leeren Kunstraum GRAF&ZYX Tank 203.2040.AT in Neulengbach/NÖ vor vollem Haus statt.

Der Originaltext wurde leicht gekürzt und dramaturgisch bearbeitet für zwei zentrale Stimmen – Mann und Frau – , mit zwei interkulturellen SchauspielerInnen besetzt und um zwei Erzählerinnen ergänzt wurden, die das Geschehen von außen begleiteten, Szeneanweisungen referierten und die Handlung vorantrieben. Dazu kam ein Live- Musiker, der einen eigenen Soundtrack komponierte und diesen improvisierend auf der Gitarre begleitete. Kokoschkas Fabel über den – seiner Meinung nach – grausamen, stets tödlich endenden Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau weitgehend im Ablauf belassend, wurde das Ende einschneidend verändert, szenisch umgestaltet und in der Aussage in das Gegenteil verkehrt: Aus feministischer Sicht sahen wir uns außerstande, der Negativvision des Autors, wobei der Mann in der Schlussszene sich selbst, die Frau und die gesamte Welt mit Feuer und Furor in den Abgrund reißt, zu folgen. Wir sahen uns als Frauen im heutigen Theater außerstande, dieser historisch überholten, apokalyptischen und misogynen Sichtweise, die sexistische Klischees von Gewalt bedient und perpetuiert, unsere „freie Bühne“ zu bieten. Stattdessen nutzten wir das Drama Kokoschkas als Sprungbrett, um ein anti-sexistisches und friedfertiges Statement abzugeben. Diese Mission führte zur Erfindung einer zusätzlichen Theaterfigur – der „Schamanin“ – , die neben den symbolisch gewandeten ProtagonistInnen, („rote Frau“ und „schwarzer Mann“) in Weiß erschien und von einer Ausdruckstänzerin repräsentiert wurde. Sie beschattete die Frau sie gleich einem Schutzengel, begleitete sie auf all ihren Wegen, spiegelte die Bewegungen der Frau, gab ein euphorisches Echo ihrer An- und Ausrufe ab. Hauptsächlich figurierte sie als Beschützerin gegen die sexuellen Übergriffe des Mannes, ging der Handlung bisweilen voran, wiederholte choreografische Muster oder schritt ihnen argwöhnisch hinterher – und rief letztlich zum Widerstand auf! So regiert in dieser Fassung des Dramas am Ende nicht der Weltuntergang sonder die Hoffnung: Die „Schamanin“, die zugleich Freundin, Schwester oder Geliebte sein könnte, erlöst die Frau nach dem Tod des Mannes aus dessen auratischen Fängen und entführt sie tanzend in die „Freiheit“.

Die Ausstellung geht noch bis zum 16.5.2016!

Mehr Infos zu der Ausstellung: https://www.mumok.at/de/events/koerper-psyche-tabu

 

 

15. SCHIELE fest / NÖ 2016

Selbstakt in Grau mit offenem Mund (1910), Leopold Museum

Das zeitgenössische Festival im Wienerwald

Kunst * Performance * Tanz * Musik

 

DIE KONTROVERSE LÄUFT WEITER

Neulengbach, Maria Anzbach & Umgebung

Samstag, 10. September 2016, 15-21 Uhr

Künstlerischer Wandertag in drei Stationen. Das Publikum kann Teile oder den gesamten Ablauf miterleben.

Gratis Schuttlebus zwischen den einzelnen Stationen.

 

Auftakt: Benefizparty mit Flüchtlingen (Kloster Stein, Maria Anzbach) mit & zugunsten von Flüchtlingen aus dem Kloster Stein und SCHIELE fest: Sa., 27. 8. 2016, ab 18h

 

 

Das vorläufige Programm im Überblick

Samstag, 10. September 2016, 15-21 Uhr


15.00 – 16.30 Uhr | Künstlervilla „Peter&Eva“ Maria Anzbach

„Bewegung im Zeitstrom – Bewegtes im Wandel“ Zeichen Performance von/mit LORE HEUERMANN, Tanz: Sabine Sonnenschein (angefragt)
Begrüßung/Statement zur Ausstellung: Eva Brenner (Künstlerische Leitung)
Lesung von Egon Schiele Gedichten: Kari Rakkola, Evgenia Stavropoulos-Traska
„Das Ende ist abzusehen“: DoppelConferènce – Publikumsdiskussion Lore Heuermann & Brigitte Borchardt-Birbaumer (angefragt) Moderation: Leander Kaiser
Musik: „Rezitation nach Motiven von Arnold Schönberg“ Walter Nikowitz
DADA Objekte im Garten: Germana Kovacic, Susanne Kompast Kaffee & Kuchen werden gereicht

 

17:00-18:30 Uhr | Galerie im Gemeindeamt Maria Anzbach

„Vorläufiger Aufenthalt“ Ausstellung HILDEGARD STÖGER
Statement zum Werk von Hildegard Stöger: Brigitte Borchardt-Birbaumer Eröffnung der Ausstellung durch Bgm. Karin Winter
„Tabuverbot - Bildverbot“: DoppelConferènce – Publikumsdiskussion mit Hildegard Stöger & Robert Pfaller (angefragt), Moderation: Leander Kaiser
Finnischer Tango mit Kari Rakkola und Walter Nikowitz (Gitarre)
DADA Objekt für den öffentlichen Raum/Hauptplatz: Germana Kovacic Cocktails auf Einladung der Gemeinde Maria Anzbach

 

19:00-20:30 Uhr | TANK 203.3040.AT Neulengbach

Abschlussperformance „Die alten Klamotten helfen nicht mehr“ (DADA Texte und Manifeste 1916-1918), Performance Installation zum 100. Geburtstag von DADA Regie/Choreografie: Eva Brenner, Performance: Patrizia Hirschbichler, Luise Ogrisek, Manju Pöllmann, Evgenia Stavropoulos-Traska, Kari Rakkola & Flüchtlinge (Kloster Stein, M. Anzbach) Komposition/Live Musik: Walter Nikowitz DADA Masken & Kostüme: Germana Kovacic, Susanne Kompast
GRAF+ZYX: „DADA negligé“ Elektronisches Environment (Computer-/Videoanimation, Triple-Screening mit Musik)
Gemütlicher Ausklang, Büffet

 

Erstmals seit der Gründung 2002 in Neulengbach wurde das SCHIELE fest 2015 wieder in der Schiele-Stadt und der unmittelbaren Umgebung abgehalten – in jenem Umfeld, wo der Künstler im Sommer 1911 bis ins Frühjahr 1912 wohnte, arbeitete und wo er wegen Verstoß gegen die Sittlichkeit ins Gefängnis kam. Mit dieser Neupositionierung und Rückverankerung im ruralen Raum wird Schiele und sein Werk näher in die Welt der Zeitgenossen geholt und ein attraktives formales Experiment nach dem Modell einer Passage („Reise“) durch Zeit und Raum – lokale Künstlerateliers, Galerien und Kunsträume – erprobt: Die Besucher sind direkt ins Geschehen einbezogen, sie folgen dem Programm von Ort zu Ort, im zwanglosen Rahmen entsteht ein persönlicher Austausch zwischen Kunst, KünstlerInnen und Publikum, der unerwartete Querverweise zwischen von Schiele inspirierter zeitgenössischer Kunst, seinem Leben und Werk aufweist.

Die Neuorientierung seit 2015 mit der Rückverlegung des Festivals nach Neulengbach und Umgebung soll aufgrund des großen Erfolgs 2016 fortgesetzt werden und eine inhaltliche, künstlerische wie sozio-kulturelle Verdichtung durch Einbeziehung lokaler KünstlerInnen und Flüchtlingen, die derzeit vor Ort leben, erfahren.

Inhaltlich steht das Festival im Zeichen des 100-Jahresjubliäum der internationalen Kunstrichtung DADA, die 1916 in Zürich von einem radikalen Künstlerkollektiv rund um Tristan Tzara, Hugo Ball, Emmy Hennings und Richard Huelsenbeck gegründet wurde und bald die Kunstzentren Europas und New York eroberte. DADA lehnte sich mit provokanten Manifest-Texten, in grotesk-poetischen Simultan-Gedichten und Cabaret-Performances auf gegen die Verwerfungen des 1. Weltkriegs und proklamierte das Ende der bürgerlichen Kunst mit ihren Sinnzusammenhängen, linearen Strukturen und aufgeklärten Botschaften. Zeitgleich zu DADA werkte Schiele, der kurzfristig ebenfalls eingezogen war, in Wien und setzte sich auf seine Weise mit Krieg, Zerstörung und Zerfall der bürgerlichen Konventionen und Werten auseinander – auch wenn sein Zugang nicht explizit politisch sondern auf die radikale Veränderung von Wahrnehmungsstrukturen und das Bild des menschlichen Körpers konzentriert war.

Die eingeladenen KünstlerInnen setzen sich in verschiedenen Formen, Disziplinen und Stilen mit diesen Fragenkomplexen auseinander. Währende LORE HEUERMANN, die sich als Pazifisten versteht, primär die Wahrnehmung, die Bewegung des menschlichen Körpers, die Natur und die Stille in den Mittelpunkt ihrer kontemplativen Kunst stellt, richtet HLDEGARD STÖGER den Blick auf Menschen unterwegs, auf Reisen, auf „Menschen in Hotels“, wie der Arbeitstitel ihres neuen Bildzyklus heißt. GRAF+ZYX andererseits haben sich seit jeher im Bereich Neue Medien, und somit der digitalen Bewegung zugewandt, thematisch die weniger sozial oder politisch gefasst sind, jedoch in ihrer radikalen Formensprache den Experimenten der Dadaisten durchaus einen Tribut zollen. Das Bildende-Kunst-Team KOVACIC_KOMPAST wird nach dem Vorbild von DADA-Skulpturen, - Kostümen und Masken neue Objekte aus Schrott, Sperrmüll, Pappe, Holz oder Metall bauen, die einerseits als NONSENSE-Objekte im öffentlichen Raum Aufstellung finden (z.B. in den Gärten der Künstlerateliers, auf dem Hauptplatz Maria Anzbach), andererseits als Masken und Kostüme in der Abschlussperformance zum Tragen kommen. Das Ensemble der DADA-Performance mit dem Titel „Die alten Klamotten helfen nicht mehr“ und bestehend aus den SchauspielerInnen PATRIZIA HIRSCHBICHLER, LUISE OGRISEK, EVGENIA STAVROPOULOS-TRASKA und KARI RAKKOLA sowie der Tänzerin WALTRAUT“MANJU“ PÖLLMANN basiert auf Auszügen aus DADA-Manifesten und Gedichten (s. weiter unten) sowie Zitaten aus Egon Erwin Kisch‘ Kriegstagebuch aus dem Jahr 1914, das eindringlich das persönliche Erlebnis der Kriegsereignisse schildert. Dazu kommt ein Chor von Flüchtlingen, die Lieder aus dem Krieg („Moorsoldaten“ u.a.) sowie aus ihrer Heimat singen, die unter Leitung des Musikers WALTER NIKOWITZ einstudiert werden. Die Umsetzung nimmt Vorschläge und konzeptuelle Richtlinien von DADA-Performances aus, die mit Zufall, Simultaneitäten und Schock-Elementen arbeiteten, die u.a. die zeitgenössische Performancekunst nachhaltig beeinflusst haben.

 

Künstlerisches Team

Künstler. Leitung: Eva Brenner, Vorträge: Leander Kaiser, Lore Heuermann, Robert Pfaller (angefragt), Brigitte Borchardt-Birbaumer (angefragt), Performance: Kari Rakkola, Patrizia Hirschbichler, Waltraut „Manju“ Pöllmann, Evgenia Stavropoulos-Traska, Walter Nikowitz (Musik), Bildende Kunst: GRAF+ZYX, Lore Heuermann, Hildegard Stöger, Germana Kovacic, Susanne Kompast, Supporting Team: Elisabeth Falkinger, Andrea Munninger, Erich Heyduck, Felix Kristan, Bernhard Riener

Downloads

SCHIELE_fest_Konzept_2016.pdf

Konzept

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