ERSATZTERMIN! SCHIELE FEST NÖ 2020

Das SCHIELE fest NÖ 2020 wurde coronabedingt auf den 31. Oktober 2020 verschoben und findet zur Gänze online statt. Alle Beiträge sind hier ab 31. Oktober 2020 ONLINE – begleitend zum um 18.00 Uhr live stattfindenden Symposium – zu sehen und in der Folge abrufbar.

Wir hoffen 2021 – zum 20-jährigen Jubiläum des SCHIELE festes – wieder als gemeinschaftliches Live-Ereignis präsentieren zu können und freuen uns auf ein ganz besonderes Fest!

19. SCHIELEfest NÖ 2020

Die Grenze, die mein Ich anzeigt – künstlerische Hausbesuche

 

Online: 31. Oktober 2020

Zeit: 18:00 – 19.00 Uhr

Live-Webinar: Symposium „Unbehaust/Behaust“

ZOOM-LINK: https://us02web.zoom.us/j/84103461503?pwd=emh6QVMvZ1dFMW5LeUNEcFVkMGYrQT09

Seit knapp 20 Jahren reüssiert das SCHIELE fest NÖ als offener Reflexionsraum für die kritische Auseinandersetzung mit Leben und Zeit Egon Schieles, dem Aufbruch der Moderne und ihre Bedeutung wie anhaltende Inspiration für die zeitgenössische Kunst und Kultur. Namhafte KünstlerInnen und WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen stellen sich auch 2020 Schieles radikaler Sicht alles Lebendigen. 2021 wird das SCHIELE fest NÖ sein 20-jähriges Jubiläum feiern.

Unter dem Titel „Die Grenze, die mein Ich anzeigt“ setzt sich das SCHIELE fest NÖ 2020 mit der Selbstbestimmung, Verortung und Orientierung des Menschen in unserer Zeit auseinander.

Dies in einem Jahr, in dem alles anders ist. Von der Konzeption 2019 über den Corona-Lockdown im Frühjahr 2020, dem hoffnungsvollen Sommer und die im Herbst wieder zunehmenden Infektionszahlen und bundesweit verstärkten Maßnahmen im Kampf gegen Covid-19 zeigte sich in den Vorbereitungen des SCHIELE fest NÖ 2020 ein permanenter Prozess der Reflexion nicht nur der Inhalte, sondern auch deren Vermittlung, die letztlich online stattfinden muss.

Im Krisenmodus setzt sich aber auch ein Umdenken in Bewegung. Räume – soziale und kulturelle, die Menschen ein Mindestmaß an Entfaltung, Mitbestimmung und Stabilität ermöglichen, werden wichtiger denn je. Es geht um das Grundbedürfnis nach einem Zuhause, einer Heimat, die nicht an einem Geburtsort gebunden ist, sondern an eigenes Refugium oder eine Gemeinschaft, die im Alltag Kraft gibt, menschlichen Kontakt herstellt, Kreativität stärkt und der Vereinzelung vieler Menschen entgegenwirkt.

Egon Schiele etwa musste sich im Laufe seines Lebens oft auf die Suche nach einem Ort begeben, wo er ungestört leben und arbeiten würde können. Auch Wystan Hugh Auden fand für seine letzten 15 Sommer in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Kirchstetten ein Zuhause, einen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Er beschrieb dies in seinem berühmten Langgedicht „Thanksgiving für ein Habitat“, das auszugsweise in einer Performance zur Aufführung kommt. Wie Egon Schiele und W. H. Auden sind auch heute viele KünstlerInnen intensiv auf der Suche nach solchen Wirkungsstätten. Für andere – KünstlerInnen und Menschen vieler Berufssparten – geht es buchstäblich um das Dach über den Kopf.

Programm

Live-Webinar

ZOOM-Link: https://us02web.zoom.us/j/84103461503?pwd=emh6QVMvZ1dFMW5LeUNEcFVkMGYrQT09

18:00 – 19:00 Interdisziplinäres Symposium „Unbehaust/behaust“

Zäumen wir das leidige Heimat-Thema einmal anders auf: weder von der Seite dumpfer Gebundenheit an Tradition, Landschaft und Herkommen noch vom Wünsch nach Teilhabe an einem mehr oder weniger folkloristischen Gemeinschaftsleben, sondern von der Suche nach „einem Ort für mich selbst“ oder nach „einem Raum für einen selbst“. Ersteren nannte W. H. Auden das Zuhause, das er in Kirchstetten gefunden hatte. Schiele seinerseits wollte einen solchen Ort in Neulengbach gefunden haben, mit dem bekannten unglücklichen Ausgang im Kotter des Bezirksgerichts. In ihrem berühmten Essay „A Room for one’s own“ (Ein Zimmer für sich allein) stellt sich Virginia Woolf die Frage, was Shakespeares Schwester schreiben hätte können, wenn sie nur ein eigenes Zimmer dafür gehabt hätte. Geht es im einen Fall um ein Refugium als Ort, in dem ein Mensch sich im Mittelpunkt seiner Welt wissen kann, so geht es im anderen Fall um die allgemein emanzipatorische und feministische Forderung nach einem Raum für jeden Menschen, in dem er sich freiwillig vereinzeln kann, einen Ort der Muße, der ermöglicht, sich produktiv zu betätigen, sich mit der Welt und selbst gestellten Ansprüchen zu konfrontieren. Im Prinzip sollte jeder Mensch eine solche zeitliche und örtliche Gelegenheit haben. – Leander Kaiser zum Thema SCHIELE fest 2020

KuratorInnen: Dr. Eva Brenner (Künstlerische Leitung), Dr. Leander Kaiser (Philosoph, Maler)

TeilnehmerInnen: Mag. Dr. Michela Borzaga (Dozentin am Institut für Anglistik und Amerikanistik), Dr. Renate Grimmlinger (MSc/Kustodin Heimatmuseum Gablitz/NÖ), Prof. Mag. Siegmund Kleinl (Literat und Essayist)

Begrüßung: Dr. Eva Brenner (Gesamtleitung SCHIELE fest NÖ)
Einführung: Dr. Annemarie Klinger (Co-Kuratorin SCHIELE fest NÖ)
Moderation/Co-Kurator: Dr. Leander Kaiser

Plakat
Plakat
Flyer Vorderseite
Flyer Vorderseite
Flyer Rückseite
Flyer Rückseite
Karin Frank: Hermaphrodit
Karin Frank: Hermaphrodit
Karin Frank: Conjoined twins
Karin Frank: Conjoined twins

Künstlerische Beiträge


Film 1

Virtueller Rundgang – Karin Frank führt in ihrem Atelier durch die Ausstellung „Der Körper des Körpers“




Karin Frank untersucht skulptural die unmittelbare Behausung des Menschen, seinen Körper. Fast scheint es eine Kritik des Körpers oder eine Rebellion gegen die natürlichen und sozialen Determinationen dieses Gehäuses, die sich aus dem Holz entwindet. Überall ist die Spannung zwischen dem, einen Körper zu haben, und dem, ein Körper zu sein. Sie streitet sowohl gegen narzisstische Körperbejahung wie gegen die Überhebung des Geistes.

Film 2

„Die Grenze, die mein Ich anzeigt“ – Performance nach W.H. Audens Poem „Thanksgiving für ein Habitat“

Regie: Eva Brenner, mit Margot Hruby und Klaus Haberl



Karin Frank untersucht skulptural die unmittelbare Behausung des Menschen, seinen Körper. Fast scheint es eine Kritik des Körpers oder eine Rebellion gegen die natürlichen und sozialen Determinationen dieses Gehäuses, die sich aus dem Holz entwindet. Überall ist die Spannung zwischen dem, einen Körper zu haben, und dem, ein Körper zu sein. Sie streitet sowohl gegen narzisstische Körperbejahung wie gegen die Überhebung des Geistes.

Das Langgedicht „Thanksgiving für ein Habitat“ (1965) in ausgewählter Kurzfassung. Die szenische Gestaltung folgt dem Prinzip von Anziehung/Annäherung und der Figur des Kreises: die PerformerInnen kreisen um ein imaginäres Zentrum – Symbol des Sehnsuchtsortes „Haus“ – umeinander und ringsum im Raum.

Film 3

Konzert „DIE HÖHLE DES SCHAFFENS“ – Reinhardt Honold

zu W. H. Audens Gedichtzyklus „Thanksgiving für ein Habitat“ – Interpretationen/Kompositionen



Der Architekt und Musiker, der seit seinem Studium und künstlerischen Anfängen beim Theater der Komödianten Wien seine beiden Professionen bestens zu verbinden weiß, nähert sich dem englisch-amerikanischen Schriftsteller mit rauchiger Stimme und jazzigen Klängen. Für Reinhardt Honold berühren die Gedichte W. H. Audens ein persönliches und existenzielles Thema. Er ist dabei, sich im niederösterreichischen Dietersdorf nahe Neulengbach erstmals in seinem Leben ein eigenes „Habitat“ zu schaffen.